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Gastvortrag von Professorin Francesca Yardenit Albertini

Symbole für die Abwesenheit Gottes

Im Rahmen der Vorlesung "Bilderverbot im Alten Testament" im laufenden Wintersemester hielt Frau Professorin Dr. Francesca Yardenit von der Universität Potsdam am 24.01.2011 einen Gastvortrag zum Thema: "Das Motiv des jüdischen Bilderverbots in der Kunst seit der Antike". Die Religionsphilosophin Albertini begründete die These, dass jüdische Kunst kein Stil, sondern ein "Instrument für die Interpretation des göttlichen Wortes" sei und eine kritischen Blick auf das Bilderverbot werfe. Von Mitgliedern jüdischer Religion sei von Anfang an Anspruchsvolles gefordert, da die Macht und Schönheit Gottes nicht zu zeigen und der Ort des Heiligtums leer gewesen sei. Daher braucht der Gläubige Phantasie und eine transzendente Denkfähigkeit.

Besonders Bilder des stilisierten Tempels seien im Laufe der Geschichte zum Merkmal jüdischer Kunst geworden. Nach der Zerstörung des Tempels sei der Opferkult durch Gebet und Liturgie abgelöst worden. So sei die Synagoge als "Haus der Gemeinde" und "Gebetshaus" gerade kein "Haus Gottes". Das Allerheiligste, die Cella, wurde ersetzt durch den Toraschrein, eine Cella für das Wort Gottes. Auf dem Vorhang des Toraschreins ist dann häufig ein Bild des Tempels zu sehen, um sowohl den ehemaligen irdischen Tempel auf dem Zion als auch das zukünftige himmlische Jerusalem vor Augen zu stellen. Die Tatsache, dass Mosaiken von Synagogen in Israel aus hellenistischer Zeit Tierkreiszeichen und den Sonnengott Helios enthalten, deutet Albertini nicht als Religionsvermischung, sondern als Transformation: Die Motive sollten den Himmel darstellen, welche kombiniert mit dem Tempel und der Lade die universale Herrschaft des einen Gottes Israels symbolisiert. Gerade durch die Symbole werde die Abwesenheit und nicht die Anwesenheit Gottes betont, der nicht mit einem "Bild" zu fassen sei.

Zur strengen Auslegung des Bilderverbots nach Ex 20 und Dtn 4 im orthodoxen Judentum, hielt Albertini fest, dass bereits im 2.Jhd. n.Chr. die erste rabbinische Ausnahme zum Bilderverbot formuliert wurde, indem bildliche Darstellungen zu wissenschaftlichen Zwecken erlaubt wurden und im 3.Jhd. Abbildungen des Körpers für beispielsweise Ärzte erlaubt waren, damit sie Leben retten können. Das Ziel "Rettung des Lebens" hob schon in dieser Zeit eine enge Auslegung des Bilderverbots oder des Sabbatsgebots auf. Frau Albertini ist seit 2007 Professorin für jüdische Religionsgeschichte im interdisziplinären Studiengang Jüdische Studien an der Universität Potsdam und neben der wissenschaftlichen Tätigkeit auch Mitglied der jüdischen Gemeinde. Gemeinsam mit Frau Albertini entwickelt Prof. Dr. Michael Rohde (Elstal) sein Forschungsprojekt weiter, das sich mit der jüdischen und christlichen Sicht Israels auseinandersetzt.

Michael Rohde

Ergänzung vom 11. April 2011

Mit Bestürzung haben wir zur Kenntnis nehmen müssen, dass Frau Prof. Francesca Albertini am 27. März 2011 überraschend verstorben ist. Prof. Dr. Michael Rohde, der noch einen Tag vor Ihrem Tod mit Frau Albertini über eine gemeinsame Lehrveranstaltung nachdachte, brachte in einem Online-Kondolenzbuch seine tiefe Bestürzung und seine herzliche Anteilnahme gegenüber den Hinterbliebenen zum Ausdruck.

Ein Nachruf auf Prof. Dr. Francesca Yardenit Albertini sowie Informationen zu einer Gedenkfeier und der Beerdigung finden sich auf der externer Link folgtInternetseite der Universität Potsdam.


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